11 kW oder 22 kW Wallbox einphasig angeschlossen: Wie viel Ladeleistung bleibt übrig?
Eine Wallbox mit 11 oder 22 kW ist normalerweise für den dreiphasigen Anschluss gedacht. Läuft sie nur an einer Phase, sinkt die verfügbare Ladeleistung deutlich. Die Faustformel lautet:
Ladeleistung = Spannung × Stromstärke × Anzahl der Phasen
Einphasig stehen rund 230 Volt zur Verfügung. Entscheidend ist dann, ob die Wallbox mit 16 oder 32 Ampere betrieben wird.
Das Wichtigste in Kürze
- 11-kW-Wallbox einphasig: rund 3,7 kW.
- 22-kW-Wallbox einphasig: technisch bis 7,4 kW, in Österreich meist auf 3,7 kW begrenzt.
- Für neue Installationen ist ein dreiphasiger Anschluss fast immer die bessere Basis.
Kurzantwort: 11 kW und 22 kW an einer Phase
| Wallbox-Nennleistung | Übliche Auslegung | Einphasige Ladeleistung |
|---|---|---|
| 11 kW | 3 × 16 A | ca. 3,7 kW bei 1 × 16 A |
| 22 kW | 3 × 32 A | ca. 7,4 kW bei 1 × 32 A |
Wichtig für Österreich: Die zulässige Schieflast ist in der Regel auf 16 A bzw. rund 3,7 kW je Phase begrenzt. Einphasig mit 32 A bzw. 7,4 kW zu laden ist daher nicht automatisch zulässig und muss mit dem Elektrofachbetrieb und gegebenenfalls dem Netzbetreiber geklärt werden.
Warum hat eine 11-kW-Wallbox einphasig nur 3,7 kW?
Eine 11-kW-Wallbox ist mit 16 A je Phase ausgelegt:
- Phase L1: 230 V × 16 A = 3,7 kW
- Phase L2: 230 V × 16 A = 3,7 kW
- Phase L3: 230 V × 16 A = 3,7 kW
Zusammen ergibt das rund 11 kW. Ist nur eine Phase angeschlossen oder nutzt das Fahrzeug nur eine, bleibt der Anteil einer Phase: 230 V × 16 A = rund 3,7 kW. Das ist kein Fehler der Wallbox – sie liefert nur, was über die vorhandenen Phasen möglich ist.
Was leistet eine 22-kW-Wallbox einphasig?
Eine 22-kW-Wallbox ist für 32 A je Phase ausgelegt:
- Phase L1: 230 V × 32 A = 7,4 kW
- Phase L2: 230 V × 32 A = 7,4 kW
- Phase L3: 230 V × 32 A = 7,4 kW
Dreiphasig sind das rund 22 kW. Einphasig könnte sie technisch bis zu 7,4 kW abgeben. In Österreich wird diese Leistung wegen der Schieflastgrenze aber meist nicht dauerhaft freigegeben – in der Praxis ist daher auch hier bei rund 3,7 kW Schluss.
3,7 kW, 7,4 kW, 11 kW oder 22 kW im Vergleich
| Anschlussart | Stromstärke | Theoretische Ladeleistung |
|---|---|---|
| 1-phasig | 16 A | ca. 3,7 kW |
| 1-phasig | 32 A | ca. 7,4 kW |
| 3-phasig | 16 A | ca. 11 kW |
| 3-phasig | 32 A | ca. 22 kW |
Das sind technische Maximalwerte. Die tatsächliche Ladeleistung hängt zusätzlich von Fahrzeug, Ladekabel, Absicherung, Installation und einem möglichen Lastmanagement ab.
Das Fahrzeug entscheidet mit
Viele aktuelle Elektroautos haben einen dreiphasigen 11-kW-Bordlader und laden auch an einer 22-kW-Wallbox höchstens mit 11 kW. Viele Plug-in-Hybride und einzelne E-Autos laden nur einphasig – dann liegt die Leistung je nach Fahrzeug und Installation häufig bei 2,3 oder 3,7 kW.
| Fahrzeug | Wallbox | Mögliche Ladeleistung |
|---|---|---|
| 1-phasig, 16 A | 11 oder 22 kW | ca. 3,7 kW |
| 3-phasig, 16 A | 11 oder 22 kW | ca. 11 kW |
| 3-phasig, 32 A | 22 kW | ca. 22 kW |
| 1-phasig, 32 A | 22 kW | technisch bis 7,4 kW – in Österreich vorab prüfen |
Warum gerade Plug-in-Hybride so langsam laden, erklären wir in Warum lädt mein Plug-in-Hybrid nicht mit voller Leistung?
Wie lange dauert das Laden?
Bei 60 kWh nutzbarer Batteriekapazität ergeben sich ungefähr diese theoretischen Ladezeiten:
| Ladeleistung | Zeit von 0 auf 100 %* |
|---|---|
| 2,3 kW | ca. 26 Stunden |
| 3,7 kW | ca. 16 Stunden |
| 7,4 kW | ca. 8 Stunden |
| 11 kW | ca. 5,5 Stunden |
| 22 kW | ca. 2,75 Stunden |
* In der Praxis entstehen Ladeverluste, und das Fahrzeug reduziert gegen Ende oft die Leistung.
Fürs Laden über Nacht reichen 3,7 kW oft aus: In zehn Stunden kommen theoretisch rund 37 kWh dazu. Für kurze Standzeiten oder mehrere Fahrzeuge ist ein dreiphasiger Anschluss aber klar im Vorteil.
Warum dreiphasig meist die bessere Lösung ist
Ein dreiphasiger Anschluss verteilt die Leistung gleichmäßig auf alle drei Außenleiter. Das entlastet das Netz und ermöglicht deutlich mehr Ladeleistung. Für neue Installationen ist ein fünfadriger, dreiphasiger Anschluss daher fast immer die richtige Basis – auch wenn dein aktuelles Auto nur einphasig lädt.
Besonders bei 22 kW solltest du prüfen:
- Ist der Hausanschluss ausreichend dimensioniert?
- Ist die Zuleitung passend ausgelegt und abgesichert?
- Ist die Leistung beim Netzbetreiber zu melden oder genehmigen zu lassen?
- Kann das Fahrzeug tatsächlich 22 kW AC laden?
- Ist dynamisches Lastmanagement nötig?
- Welche einphasige Ladeleistung ist am Standort zulässig?
Fazit
Eine 11-kW-Wallbox liefert einphasig rund 3,7 kW. Eine 22-kW-Wallbox könnte technisch bis zu 7,4 kW leisten, in Österreich ist einphasiges Laden aber meist auf 16 A bzw. 3,7 kW begrenzt. Wie schnell dein Auto lädt, hängt deshalb von Netzanschluss, Installation, Wallbox-Einstellungen und vor allem vom Bordlader deines Fahrzeugs ab. Lass die konkrete Ausführung vor dem Kauf immer von einem Elektrofachbetrieb prüfen.
Häufige Fragen
Lädt eine 11-kW-Wallbox einphasig mit 11 kW?
Nein. Die Nennleistung gibt es nur dreiphasig mit 16 A je Phase. Einphasig bleiben rund 3,7 kW.
Kann eine 22-kW-Wallbox einphasig 7,4 kW laden?
Technisch ja, wenn Wallbox, Fahrzeug, Leitung und Absicherung 32 A unterstützen. In Österreich ist das aber nicht automatisch zulässig und muss vorab geprüft werden.
Braucht ein einphasig ladendes Auto eine andere Wallbox?
Nein. Es lädt auch an einer dreiphasigen 11- oder 22-kW-Wallbox, nutzt dann aber nur eine Phase.
Warum lädt mein Auto an einer 22-kW-Wallbox nur mit 3,7 kW?
Mögliche Gründe sind ein einphasiger 16-A-Bordlader, eine Begrenzung in der Wallbox, die Installation oder das Lastmanagement. Auch die Schieflastgrenze in Österreich kann ausschlaggebend sein.